Behinderungen im deutsch-polnischen Kinder- und Jugendaustausch

Der Grenzübertritt für polnische Kinder- und Jugendgruppen wird durch Neuregelungen der polnischen Grenzbehörden seit dem 01.06.2006 erschwert. Der nachfolgend übersetzte erschütternde Zeitungsartikel zeigt, dass im deutsch-polnischen Verhältnis noch viel zu tun ist. Die bisher erfolgreich gehandhabte unbürokratische Kontrolle für Schüler- und Jugendlichengruppen mit Sammellisten wurde außer Kraft gesetzt.



Auszug aus der polnischen Zeitung "Gazeta Lubuska" vom 01.06.2006:

(Verfasser: Dariusz Chajewski; Übersetzung: B. Horn)



Weinende Kinder, empörte Eltern und Ratlosigkeit bei den Organisatoren der Auflüge. Gestern wurden Busse mit Kindern aus der Wojewodschaft an den Grenzübergängen zurückgeschickt. Weshalb ? Der Grenzschutz hat die Interpretation der Vorschriften – geändert !

Anläßlich des Kindertages sollten die Kinder ins Tropical Island, nach Cottbus und in den Dinosaurierpark fahren. Es sollte die Krönung des Kindertages sein. ... An den Grenzübergängen in Olszyna, Gubinek und Kostrzyn wurden die Busse nicht aus Polen herausgelassen. Die Grenzbeamten zuckten mit den Schultern und sagten, dass das, was noch am Dienstag ging, am Mittwoch nicht mehr zulässig ist.

„Wir wurden darüber informiert, dass die Ausreise mit einer Teilnehmerliste, die von der Schulleitung bestätigt wurde, jetzt nicht mehr möglich ist“, sagt die Organisatorin der Ausflüge. Das war möglich seit unserem Beitritt zur EU, und die Grundlage war ein Sammel-Ersatzpass.

„Um 8.00 Uhr sind etwa 100 Kinder aus unserer Schule losgefahren. Es waren vor allem Schüler der zweiten Klasse. Sie hatten sich seit langem auf diesen Ausflug gefreut. ... Als man uns sagte, dass die Busse nicht ausreisen dürfen, bat ich den Grenzbeamten, es selbst den Kindern zu sagen. Er wollte nicht“, sagte Dorota Slowik, Lehrerin der Schule in Kozuchów.

Der ganze Bus weinte, die Lehrer hatten Tränen in den Augen. Slowik sagt, dass sie nicht weiss, wie sie heute zur Arbeit geht; wie soll man den Kindern in die Augen schauen, wie ihnen erkkären, dass es nicht ihre Schuld ist.

Vom Grenzübergang Olszyna fuhr das Bus nach Zasieki. Die Busse, die dort während der Nachtschicht ankamen, wurden durchgelassen. Dieser wurde zurückgeschickt. Denn die neuen Vorschriften erhielten erst die Grenzbeamten, die ihre Arbeit um 8.00 Uhr aufgenommen hatten.

„Der deutsche Grenzbeamte bat unseren, die Kinder durchzulassen, weil sie ihm leid taten“, sagte einer der Betreuerinnen. „Er antwortete, dass er die Arbeit verlieren würde, wenn er uns durchlässt. Den Deutschen taten die Kinder leid, unseren nicht.“ ...

Mariusz Skrzynski von der Lubusker Abteilung des Grenzschutzes will die Angelegenheit nicht kommentieren. Er schlägt vor, nur über Fakten zu sprechen. „Seit heute gilt eine neue Interpretation der Vorschriften über die Dokumente, die zum Grenzübertritt berechtigen“, erklärt er. Bisher konnte man das Land auf der Grundlage solcher Listen verlassen. Jetzt wurde jedoch festgestellt, dass diese Interpretation falsch ist, und sie geändert werden muss.

Diese sogenannten Listen wurden zugelassen zum Wohle der Kinder, und vor allem der Kinder aus den ärmsten Familien. Denn die Ausstellung eines Passes oder eines provisorischen Ausweises ist teuer, und die Schulklassen konnten auf der Grundlage von Sammelpässen reisen. Das hat niemanden gestört, auch die Deutschen hatten damit kein Problem.

Offiziell sagen die Grenzbeamten nichts dazu. Aber inoffiziell geben sie zu, dass sie schockiert und erschüttert sind. ...

Die Lehrerin erzählte, dass sie noch aus dem Bus mit der Hauptkommandantur des Grenzschutzes in Warschau telefoniert hat. Dort wurde ihr gesagt, dass sie sich an den lieben Gott wenden solle...




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