Freizügige Arbeitnehmer brauchen freizügige Bahnverbindungen

Geschrieben von SBC Uckermark und Barnim
Grenzen nach Polen: Schienenpersonenverkehr für 1. Mai schlecht gerüstet (ddp direct)



Europa wächst wieder ein Stück zusammen. Am 1. Mai 2011 gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit. „Die Eisenbahnstrecke Berlin - Stettin (Szczecin) ist dafür schlecht gerüstet. Ein Durchbruch auf dieser traditionsreichen und wichtigen Eisenbahnstrecke ist immer noch nicht in Sicht", bedauert Matthias Oomen Bundespressesprecher von PRO BAHN e.V. am 26. April in Berlin. „Auch an anderen Grenzübergängen des Schienenverkehrs gibt es große Defizite, so dass Arbeitnehmer den öffentlichen Verkehr nicht grenzüberschreitend nutzen können.“



Ab dem 12. Juni 2011 werden nach langen Verhandlungen wieder Zeitkarten für die Verbindungen Berlin von und nach Stettin (Szczecin) eingeführt. Durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit erhofft man sich einen Stopp des Fahrgastschwundes. „Sammeltaxis befördern bisher einen erheblichen Teil der Reisenden, weil das Zugangebot bislang einfach nicht überzeugt", berichtet Andreas Schwarze, der Beauftragte des PRO BAHN-Bundesverbandes für den Osteuropaverkehr. „Für den Eisenbahnverkehr zwischen Berlin und Stettin (Szczecin) konnten bislang nur wenige Fahrgäste gewonnen werden. Und das obwohl die 138 km lange Strecke zwei Metropolen verbindet. Die Fahrgäste müssen zu oft umsteigen, die Züge fahren zu selten und zu langsam.“



Selbst der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sieht den Zustand der Strecke kritisch. Auf einem neun Kilometer langen Abschnitt bei Passow können die Züge nur noch maximal 50 Kilometer pro Stunde fahren. Dabei wurde die Strecke erst vor einigen Jahren saniert und wird von schweren Güterzügen zum Stettiner Hafen und dem Petrolchemischen Kombinat PCK in Schwedt/Oder befahren.



„Dass das Potenzial der Stettiner Bahn nicht einmal ansatzweise gehoben werden kann, liegt aber vor allem am bislang unterbliebene Streckenausbau. Entgegen vieler Versprechungen hat sich selbst mit der EU-Osterweiterung nicht viel getan. Zur größten und nächsten Agglomeration führt von Berlin aus auf 40 Kilometern zwischen Passow und Stettin nur ein Gleis ohne elektrischen Fahrdraht. Der Ausbau der gesamten Strecke für 160 km/h ist seit Anfang der 90 Jahre vorgesehen. Eine Realisierung ist nach fast zwei Jahrzehnten nicht in Sicht. Auf der Schiene ist ein vereinigtes Europa noch in weiter Ferne,“ kommentiert Schwarze.



„Darunter leidet auch die Uckermark an der deutschen Grenze zu Polen. Der ländliche Raum im Amtsbezirk Gartz (Oder) zwischen den Metropolen reagiert auf die bislang unbefriedigende Ausgangslage, um den Anschluss an beide Städte nicht endgültig zu verlieren,“ erklärt Schwarze. „Die Mitglieder des Fahrgastverbandes PRO BAHN vor Ort in der Europaregion Pomerania unterstützen die Region, um die von der Europäischen Union geforderte Freizügigkeit durch ungehinderte grenzüberschreitende Verkehre zu ermöglichen.“ Deshalb wird Andreas Schwarze, der in Tantow unmittelbar an der Grenze ansässig ist, sich in seiner neuen Aufgabe als Beauftragter für Osteuropaverkehr für den Fahrgastverband PRO BAHN für die Entwicklung des grenzüberschreitenden Verkehrs verstärkt einsetzen.


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