Mit dem Zug reibungslos nach Stettin

Pomerania holt Bahnverantwortliche und Vertreter der Gemeinden zum Bahnforum an den Tisch

Das Problem ist mindestens zehn Jahre alt: Von Berlin oder Angermünde kommt man mit der Regionalbahn ganz gut bis Pasewalk, denn die Züge fahren nahezu zweistündlich. Für diejenigen, die nun weiter nach Polen möchten, gibt es zwar Züge, doch diese fahren paradoxerweise nie nahtlos weiter. Regelmäßig ist der Zug nach Stettin Glowny gerade einmal eine oder zwei Minuten weg – ein sogenannter Fehlanschluss.

Und das an einem Hauptverknüpfungspunkt der Bahn! Möchte man weiterfahren, gibt es zwei Stunden Aufenthalt. Also versuchen die Reisenden mit der Regionalbahn von Angermünde über Tantow nach Stettin zu kommen. Auf dieser Strecke verkehren jedoch weniger Züge, gibt es keine Taktung, sodass dies keine echte Alternative ist. Wegen des fehlenden zweigleisigen Ausbaus sind diese Züge auch länger unterwegs. Wäre der Fehlanschluss beseitigt, könnten stündlich Züge von Berlin nach Stettin verkehren (im Wechsel über Tantow und Pasewalk).

Dieses und andere Probleme im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) bewegen nicht nur frustrierte Fahrgäste, sondern auch Lokführer, wie Jörg Ballenthin, der seit vielen Jahren regelmäßig die Strecken fährt. „Das ist einerseits eine Zumutung für die Fahrgäste, gerade in der Sommersaison, aber mindestens genauso seit Jahren eine Ressourcenverschwendung“, erklärt der als Vortragsredner zum „Bahnforum Pomerania“ geladene Bahnfachmann. Am Dienstag erläuterte er in der Geschäftsstelle der Kommunalgemeinschaft Pomerania, in Löcknitz, vor Vertretern der anliegenden Gemeinden, ausführlich die komplexe Problematik. Immerhin zahle der Bund den Ländern jährlich Regionalisierungsmittel für die Sicherstellung des SPNV. Ein konstruktives Echo seitens des Verkehrsverbundes Mecklenburg Vorpommern (VMV) und des Verkehrsverbundes Berlin Brandenburg (VBB) oder gar der Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern erhielt er bislang nie. Die Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH verweist zum Fehlanschluss in Pasewalk auf technologische und verkehrliche Zwänge. Eine Lösung wäre erst nach Ertüchtigung der Strecke Berlin-Stralsund, auf eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, in Sicht, die für 2030 geplant ist. Doch schon ab 2021 wird die Verbindung Berlin-Pasewalk-Stettin als Umleitungsstrecke beim Ausbau der Linie Angermünde-Tantow-Stettin dringend benötigt.

Die Missstände sind keineswegs im Sinne der euroregionalen Zusammenarbeit. Dies haben die Geschäftsführer der Pomerania in Löcknitz und Stettin bekräftigt. „Wenn wir endlich eine Lösung erreichen wollen, müssen wir alle Beteiligten an den Tisch holen. Die Verbesserung ist auch Bestandteil unseres gemeinsamen Entwicklungs- und Handlungskonzeptes“, betont Geschäftsführerin Andrea Gronwald.
Doch nicht nur die Fahrplantaktung, auch die Tarifstruktur im grenzüberschreitenden SPNV, sei noch immer ein unausgereiftes Thema. So können zwar bis fünf Personen mit dem Brandenburg-Ticket von Berlin bis Pasewalk kommen, nicht aber von dort weiter nach Neubrandenburg oder Stettin. Sie müssen, um das zu erreichen, erneut ein Ticket lösen, was dann längst nicht mehr so günstig sei. Alternativ fahren Einzelpersonen mit dem Ticket Berlin-Stettin für zwölf Euro nach Polen und zum selben Preis zurück. Das Mecklenburg-Vorpommern-Ticket gilt in der Regel erst ab 9.00 Uhr. Für die montägliche Verbindung um 02.26 Uhr von Stettin nach Lübeck gelte das Ticket also nicht. „Der Zug fährt regelmäßig fast leer“, erklärt Ballenthin eine weitere Unhaltbarkeit.

„Einer der wichtigsten Faktoren, um sich für die Bahn zu entscheiden, ist der Preis. Wir müssen mit einer besseren, übergreifenden Tarifstruktur mehr Bahnkunden gewinnen“, ist sich Irena Strozynska, stellvertretende Direktorin des Vereins der polnischen Gemeinden der Euroregion Pomerania in Stettin, sicher. Das sei besonders zukunftsweisend, da man in den nächsten Jahren mit einer zunehmenden Zahl von Berufspendlern rechnen müsse, auch von deutschen Pendlern, die in Polen arbeiten werden. Nach Birgit Kohlhase, von der Stadtverwaltung Pasewalk, sei es schon allein aus Gründen des Klimaschutzes wichtig, mehr Bahnkunden zu gewinnen. „Wir haben ebenfalls das Problem, dass die Bahntickets nur bis zur Grenze gelten. Das Informationsdefizit der polnischen Bürger über die Tarifstruktur in Deutschland ist groß“, erklärte Woiciech Nowotniak, von der Polregio Szczecin, der regionalen Eisenbahngesellschaft.

Eine wirkliche Lösung der Probleme sei aber erst nach Ausbau der Strecken, insbesondere der Strecke Angermünde-Tantow-Stettin, 2021 beginnend, zu erwarten. Dann nämlich können mehr Züge in beide Richtungen und mit höheren Geschwindigkeiten fahren. Derzeit werden die saisonalen Spitzen mit verdichtenden Zügen abgefangen. Das habe aber seine Grenzen, weil auch private Bahnunternehmen die Strecke nutzen und der Güterverkehr Kapazitäten in Anspruch nähme.

Der VMV ist gerade jetzt mit der Fahrplanentwicklung für 2021 beschäftigt und hat vom 04.03. – 22.03.20 eine Bürgerbeteiligung ausgeschrieben. Alle Fahrgäste sind zur Stellungnahme aufgerufen und finden hier Informationen: https://www.vmv-mbh.de/fahrplan-2021.html. Leider folgten beide Verkehrsverbunde der Einladung der Pomerania nicht. Dennoch war das Interesse an den Ausführungen Ballenthins groß. „Wir betrachten die heutige Veranstaltung als Auftakt für weiterfolgende“, gab Udo Hirschfeld, stellvertretender Geschäftsführer der Pomerania in Löcknitz, bekannt.

Gabriela A. Prodöhl

Statystyki odwiedzin

Dzisiaj 59

Wczoraj 124

Ostatni tydzień 1145

Ostatni miesiąc 3957

Ogólny 287748

Kubik-Rubik Joomla! Extensions

Cookies ułatwiają przygotowanie naszej oferty internetowej oraz analizę statystyczną. Korzystając z naszej strony internetowej wyrażają Państw zgodę na wykorzystanie przez nas Cookies.